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Geschichte Rettungsdienst Tübingen
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Die Geburtsstunde des organisierten Rettungsdienstes begründet sich im wesentlichen auf eine Katastrophe aus dem Jahre 1881 in Wien: Als das Wiener Ringtheater niederbrennt, kommt es zu ca. 400 Toten, da eine organisierte Hilfe nicht vorhanden ist. Bereits am Folgetag wird die "Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft" gegründet, und damit ein Vorläufer des Rettungsdienstes.
Krankentransportwagen 1892Auch der Kreisverband Tübingen kann auf eine lange Geschichte des Rettungsdienstes und Krankentransportes blicken. Der ursprüngliche Sanitätsdienst beschäftigte sich im Jahre 1886 mit nichts anderem als der Bergung und Befreiung von Verwundeten. In Tübingen behalf sich die Sanitätskolonne mit Pferdefuhrwerken und fahrbaren Tragen. So entwickelt sich zunächst ein "Rettungswesen", welches sich auf den Transport der Patienten in die Kliniken beschränkt und überwiegen von Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn durchgeführt wird. Als Fahrzeuge dienen in dieser Zeit vor allem Fuhrwerke.
1922 kaufte sich die ´Sanitätskolonne Tübingen´, so die damalige Bezeichnung, eine neue Trage mit Gummireifen. Das erste Motorfahrzeug kam 1927 mit einem Magirus-Dux. Ab 1929 wurde eine erste ständige Wache in der damaligen Polizeiwache an der Neckarbrücke eingerichtet, die aber nur an Wochenenden im Sommerhalbjahr in Betrieb war. 1931 musste sich die Kolonne, nachdem der Dux verbrannt war, einen Privatwagen umbauen, eheMagirus Dux 1927 1936 der erste Mercedes mit zwei Tragen angeschafft werden konnte.
An der Maxime des schnellen Patiententransports zum Arzt änderte sich auch nach 1938 nichts, als Professor Kirschner, Chirurg in Heidelberg die heute als Richtung weisend und Bahn brechend angesehene Aussage traf, der Arzt müsse zum (Notfall-) Patienten kommen und nicht andersherum. Aufgrund fehlender monetärer und materieller Mittel und den politischen Entwicklungen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges blieb es in Deutschland bei der sanitätsdienstlichen Transportaufgabe, die so gut es in Anbetracht der Umstände ging aufrecht erhalten wurde.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg, die Sanitätskolonne 1947 in Sindelfingen den ersten Nachkriegs Mercedes abholen konnte, musste der Fahrer, der seit 1945 Krankentransporte durchführte und den Wagenpark des DRK betreute, vier Reifen mitbringen.
Im Jahre 1955 war erstmals die DIN-Norm 75080 erschienen, die Vorschriften für den Bau und die Ausstattung von Krankenkraftwagen enthielt. Nach Sanitätskolonne 1892 im Schloßhofdieser Norm wurde der Krankenkraftwagen als Sonderfahrzeug definiert, das gleichermaßen für den Kranken-transport und den Rettungsdienst bestimmt ist. Auch wenn die Norm nun den Begriff "Rettung" aufbrachte, war hierunter nicht etwa die Rettung im heutigen Sinne zu verstehen. Diese existierte nämlich nur als "Einpack-Rettung", d.h., der Patient wurde in das Fahrzeug geladen und auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus gefahren. Die Ausstattung der Fahrzeuge mit medizinischem Gerät war nicht der Rede wert, der Ausbildungsstand des Personals denkbar gering. Viele schwer verletzte Patienten verstarben während des Transportes zum Krankenhaus.
Erst als mit dem Beginn des "Wirtschaftswunder", die Zahl der Autos steigen und damit verbunden eine Zunahme von Verkehrstoten und –verletzten, kommen erste Überlegungen auf, dass eine Medizinische Versorgung von Schwerstverletzten durch Ärzte und Assistenzpersonal noch am Unfallort deren Überlebenschancen drastisch steigern könnte.
Ein Meilenstein in der Entwicklung war 1957 der "Operationswagen der Chirurgischen Universitäts-Klinik Heidelberg" (auch als "Clinomobil" bezeichnet). Das "Clinomobil" sollte Unfallopfer bei Bedarf direkt an der Unfallstelle operieren können, und war aus diesem Grund als kompletter, mobiler Operationssaal ausgelegt. Recht schnell wurde jedoch klar, dass ein operativer Eingriff vor Ort in den wenigsten Fällen geboten ist, sondern es vielmehr in den meisten Fällen darauf ankommt, die Vitalfunktionen (Herz-, Atmungs- und Kreislauffunktionen) des Patienten wieder herzustellen und/oder aufrecht zu erhalten. Für diese Aufgaben ist das "Clinomobil" (immerhin ein komplett umgebauter Reisebus mit AnhäRettungswache Kornhausnger) einfach zu groß und schwerfällig, ebenso wie der Aufwand für Materialvorhaltung und Personalvorhaltung für das Fahrzeug. 
Im Juni 1957 begann man in Köln ein ähnliches Experiment, jedoch mit einem kleineren Fahrzeug, das sich auf Anhieb bewährte. Nach der erfolgreichen Erprobung übernahm die Stadt Köln den "Notarztwagen". Köln blieb einige Jahre die einzige Stadt mit einem Notarztwagen. Zunächst schien es so, als würde es im übrigen Land bei der "Einpackrettung" bleiben.
Wiederum in Heidelberg wurde dann das erste Notarzteinsatzfahrzeug Deutschlands am 07.04.1964 an der Chirurgischen Klinik unter dem Polizeifunknamen „Heidelberg 10“ in Dienst gestellt.
RettungsdienstSo erfolgte analog zu neuen medizinischen Erkenntnissen langsam aber stetig der Aufbau eines flächendeckenden Rettungswesens, das aber außerhalb der Großstädte überwiegend aus ehrenamtlichen Kräften bestand, und dessen wesentlicher Aspekt zunächst der Transport ins Krankenhaus blieb. Entsprechend herrschte auch in dem nicht ärztlich unterstützten üblichen Krankentransportwesen die "Rückspiegelrettung" vor: Diese umgangssprachliche Bezeichnung meint die Beobachtung des Zustands des Patienten im hinteren Fahrzeugteil mittels des Rückspiegels durch den Fahrer des Krankenwagens - weil niemand sonst zur Besatzung zählte. Eine eventuell für den Fahrer sichtbare Verschlechterung des Zustandes führte denn auch nicht zu einer sofortigen Behandlung, sondern vielmehr zu einer Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit zwecks schnellen Erreichens der Klinik.
Zu dieser Zeit besaß der Kreisverband Tübingen im Krankentransport zehn Fahrzeuge, verfügte über fünf hauptamtliche und sieben ehrenamtliche Fahrer. Allein 1960 haben die in Tübingen, Mössingen und Rottenburg stationierten Krankenwagen 10551 Menschen befördert; 510 davon waren Unfallopfer; 22 Infektionskranke und 92-mal rief man sie bei Frühgeburten.
Erst in den 1970er Jahren gibt es wieder einige bemerkenswerte Änderungen: Seit 1960 breitet sich langsam die Erkenntnis aus, dass die Zeitspanne vonRettungsdienst einem Notfallereignis bis zum Zeitpunkt der ärztlichen Behandlung maßgeblich für die Überlebenschance der Patienten verantwortlich ist. Weiterhin setzt sich langsam aber stetig die Tendenz zu einem "stay and play"- System im vergleich zu dem bisher überwiegen bevorzugten "load and go" durch, was bedeutet, dass vermehrt versucht wird, die Patienten vor dem Transport zu stabilisieren, eine vitale Gefährdung auszuschließen, und sie erst dann zu transportieren (In vielen Fällen entscheidet nicht die Versorgung im Krankenhaus über Leben und Tod, sondern vielmehr die Qualität der Versorgung am Notfallort und des Transportes). Um diese Aufgabe qualifiziert wahrnehmen zu können, wurden die Anforderungen an die medizinische Ausbildung der Besatzungen von Kranken-, Rettungs- und Notarztwagen immer größer, wodurch es im Jahre 1974 zu einem "Rettungsdienstgesetz" in Bayern kommt, in dem erstmalig gesetzliche Bestimmungen für den Rettungsdienst, in Hinblick auf Ausstattung der Fahrzeuge, Ausbildung des Personals sowie nicht zuletzt eine "Hilfeleistungsfrist" (die Zeit die bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vergehen darf) festgelegt werden. Heute hat jedes Bundesland ein solches Gesetz, das die jeweiligen gesetzlichen Grundlagen für die Arbeit des Rettungsdienstes schafft.
Zwischenzeitlich war in Baden-Württemberg auch eine standardisierte Ausbildung des Rettungsdienstpersonals zum Rettungssanitäter die Regel. Dazu Rettungsdienstmusste man nun eine 560-stündige Ausbildung absolvieren. Diese setzte sich aus einer vierwöchigen theoretischen Schulung, einem vierwöchigen Krankenhauspraktikum, einem Rettungswachenpraktikum und einem Prüfungslehrgang zusammen. Weiterhin wurde nun großen Wert auf die laufende Fortbildung aller im Rettungsdienst eingesetzten Männer gelegt.
In Tübingen platzte der Standort des Roten Kreuzes im historischen Kornhaus in der Kornhausstr. aus allen Nähten. Zuletzt mussten Kollegen Einsatzfahrzeuge mit nach Hause nehmen, da am Standort in der heutigen Fußgängerzone keine Stellplätze vorhanden waren. Eine wesentliche Verbesserung im Rettungsdienst Tübingen war im Mai 1978 der Bezug des neu erbauten Rettungszentrums im Steinlachwasen 26. Der verkehrsmäßige Anschluss erfolgte zwar erst später, doch waren Fahrzeughallen, Rettungswache, Leitstelle, Werkstatt und Verwaltung wieder unter einem Dach.
Am 01.02.1979 war es dann auch in Tübingen soweit. ´Rotkreuz Tübingen 28´ wurde zum ersten Einsatz alarmiert. Der regelmäßige Notarztdienst rundRettungsdienst um die Uhr wurde aufgenommen. Die Notärzte wurden vom Universitätsklinikum Tübingen und der berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik im Wechsel gestellt. Das nötige Fahrzeug, zwei BMW 525 im Wechsel und den –damals noch- Rettungssanitäter stellte das Rote Kreuz.
Zum damaligen Zeitpunkt bestand der Rettungsdienstfuhrpark aus zwei Notarzteinsatz-fahrzeugen, zehn Rettungswagen und 21 Krankentransportwagen, die aber teilweise museumsreif und nicht ständig im Einsatz waren. In den achtziger Jahren erfolgte eine Modernisierung des Fuhrparks, auch mit der Vorgabe der regelmäßigen Neuanschaffung.
Fortschritte der Medizin ermöglichten es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dass die Ärzte immer mehr menschliche Organe verpflanzen konnten. Ein Organ muss möglichst "lebensfrisch" sein, d. h. es muss möglichst rasch dem verstorbenen Spender entnommen und dem Empfänger eingepflanzt werden. Ein Hauptproblem der Transplantationsmedizin besteht nun Rettungsdienstdarin, dass Spender und möglicher Empfänger eines Organs in der Regel über große Entfernungen hin von einander getrennt sind. Um dieses Problem zu lösen, war die Entwicklung eines speziellen Fahrzeugs für Organtransporte erforderlich geworden, das die Transplantate schnell und vor allem im notwendigen Temperaturbereich von einem Ort zum anderen befördern konnte. Der erste Organtransportwagen wurde von der Björn Steiger Stiftung entwickelt und von April 1982 bis Juli 1983 in Tübingen beim Roten Kreuz ausgiebig getestet.
Ein weiterer Fortschritt in der Qualifikation erfolgte endlich ab 1989 mit dem Rettungsassistentengesetz und dem damit verbundenen Ausbildungberuf zum Rettungsassistenten. Diese dauert zwei Jahre und entspricht somit erstmals den fachlichen Anforderungen, die an das Personal gestellt werden.

Text: Uwe Kramer
 

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